
Grefrather Heiligenhäuschen
Seit dem 13. Jahrhundert sind in unserer Gemeinde Heiligenhäuschen oder Kapellen mit religiösen Motiven wie Kreuze, Bilder oder Figuren urkundlich belegt. Das Gilles – Heiligenhäuschen in der Floethütte, im Süden von Grefrath gelegen, ist eins der ältesten und bis heute erhalten geblieben. Seinen Namen verdankt es dem nahegelegenen, bereits in den 1980er Jahren abgerissenen Hof der Familie Kempges. 1420 ist er im Besitz von Gelis Rinckfelt von Süchteln. Im Sprachgebrauch wurde aus Gelis im Laufe der Zeit Gilles. Ein Buch aus dem Jahre 1662 deutet darauf hin, dass der damalige Pastor Peter Gottfried Klee (Dienstzeit von 1637 – 1669) es aus Dankbarkeit seinerzeit hat bauen lassen. Als der Dreißigjährige Krieg von 1618 – 1648 tobte, wurde er gefangengenommen und kam nach dem westfälischen Frieden von 1648 wieder frei. Seit jener Zeit wurde das Heiligenhäuschen über viele Jahrhunderte von den jeweiligen Bewohnern des Hofes gepflegt, aber Wind und Wetter hinterließen deutliche Spuren. 1999 fand eine Restauration durch Mitglieder der hiesigen St. Antonius Schützenbruderschaft statt. Am 20. November desselben Jahres wurde das, dem Heiligen Antonius gewidmete Heiligenhäuschen, von Pastor Johannes Quadflieg eingeweiht. Auch heute noch findet man kleinere Bauwerke christlichen Glaubens an Wegkreuzungen, Feldwege und in der Nähe von Hofanlagen.

Als in den Jahre 1977/78 an der Umstraße ein neues Wohnbaugebiet entsteht, denkt hier noch keiner an die Errichtung eines Heiligenhäuschens. Hier, auf der Fläche einer ehemaligen Kuh- und Pferdewiese, werden zweigeschossige Einfamilienreihenhäuser mit Flachdach in Bogenform errichtet. Das Neubaugebiet erhält den Namen „Dohmeswiese“, benannt nach dem ehemaligen Besitzer, der Grefrather Familie Dohmes. Erst ein paar Jahre später sind es die „Häuslebauer“ Kristoph Hinze und seine Frau Ella, sowie Peter Scheil, die aufgrund einiger herumliegenden Feldbrandsteine an der Ecke Umstraße/Dohmeswiese auf die Idee kommen, dort ein Heiligenhäuschen zu errichten. Schon bald entwickeln sich konkrete Vorstellungen über die mögliche Größe in Abhängigkeit der ca. 800 Feldbrandsteine, die zur Verfügung stehen.
Die Bauzeichnung übernimmt ein Denkmalpfleger, der dieses Vorhaben mit seiner Arbeit unterstützt. In seinem Plan kommt das Bauwerk auf eine Höhe von 2,69 Meter bei einer Breite von 1,24 Meter und einer Tiefe von 0,99 Meter. Im oberen Teil ist eine Nische für eine Heiligenfigur mit schützendem, schmiedeeisernem Gitter und einem Blumenpflanzbecken vorgesehen.
Die Gremien der Katholischen Pfarrgemeinde Grefrath begrüßen dieses Vorhaben genauso wie die Zivilgemeinde, auf dessen Grund der Bau vorgesehen ist. Nachdem auch die zuständige Behörde des Kreises Viersen „grünes Licht“ gegeben hat, kann das Projekt starten.
Das Fundament wird von der alteingesessenen Grefrather Baufirma P. H. Schmitz, die schräg gegenüber dem Bauplatz an der Umstraße ein Holz- und Materiallager unterhält, kostenlos gegossen. Danach erstellt der Maurermeister Rudi Franzke zusammen mit Peter Scheil und Manfred Springer in nur wenigen Wochen das eigentliche Bauwerk. Zur Umrandung des Bildstocks werden rustikale Basalt- und Kieselsteine angebracht. Den Abschluss bildet ein kleines Eisenkreuz auf das bauwerküberdeckende Spitzdach.
Für das Heiligenhäuschen lag kurz nach der Fertigstellung noch keine Widmung vor. Nach intensiven Gesprächen entschied man sich für die Heilige Theresia vom Kinde Jesu. Hierzu stiftete die Familie von Hans Klitsch, die in unmittelbarer Nähe zur Dohmeswiese an der Umstraße wohnte, eine Statue der Heiligen.
Theresia vom Kinde Jesu (Ordensname) wurde als Theresia Martin am 2. Januar 1873 zu Alençon in der Normandie (Frankreich)geboren. Sie war das neunte Kind des Ludwig Martin und der Zelia Guérin. Im Alter von 15 Jahren tritt sie am 9. April 1888 in den Karmel von Lisieux ein. Am 30. September 1897 stirbt sie im Alter von 24 Jahren nach einer Tuberkuloseerkrankung. Bereits am 17. Mai 1925 wird sie heiliggesprochen. Bekannt wurde Theresia vom Kinde Jesu durch ihre Selbstbiographie „Geschichte einer Seele“, die nach ihrem Tod veröffentlicht wurde und sofort eine große Verbreitung fand.
Am 28. Mai 1983 war es dann soweit. Bei strömenden Regen konnte das Heiligenhäuschen vom damaligen Grefrather Ortspfarrer Günther Klussmeier feierlich eingesegnet werden. Ihm zur Seite stand Kaplan Heinz-Walter Heck. Neben einigen Anwohner der Dohmeswiese und der Umstraße wohnten auch viele andere interessierte Mitmenschen diesem Ereignis bei. Unter den rund 200 Gästen befand sich auch Bürgermeister Josef Lepers und Gemeindedirektor Alfons Breil. Sie alle waren nach dem offiziellen Akt der Einsegnung von den Initiatoren zu einem Umtrunk mit Erbsensuppe in die Tiefgarage der Neubausiedlung eingeladen worden.
Das Heiligenhäuschen wird seit diesem Tag durch die Anwohner der Dohmeswiese gepflegt. Ihrer Initiative ist es zu verdanken, dass es hier die Möglichkeit gibt, einen kurzen Moment inne zu halten und zu beten. Vielleicht darf es ja genauso alt werden, wie das Gilles – Heiligenhäuschen in der Nähe der alten Süchtelner Landstraße, was sehr zu wünschen wäre.
Text und Fotos: Gerhard Prüne, Manfred Birk, 30.03.2026
